Natürlich ist das Spitzenqualität - können Sie nicht lesen, steht doch auf der Packung!

Was bei uns so stattfindet und was mich daran so aufregt, ist, dass in den letzten Jahren eine ganz besonders miese Mogelpackung verkauft wird.

 

Das, was an Menge und Qualität weniger drin ist, wird auch noch als das besondere Produktmerkmal verkauft.

 

Vergleichen wir unsere Schule mal mit einem Erzeugerbetrieb für Nahrungsmittel: Da haben eine Handvoll Leute einen Öko-Hof erbaut, dessen oberste Maxime es war, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen und trotzdem eine reichhaltige Ernte einzufahren.

 

Das hat ganz schön Arbeit gemacht und viele Rückschläge bedeutet. Vor allem auch Nerven gekostet. Unter den Mitarbeitern wurde ständig über die verschiedenen Arbeitsmethoden diskutiert. Die Nacktschnecken z.B. waren eine große Plage und der Umgang mit ihnen ein großes Politikum.

 

Sammelt man sie mit der Hand ein und tötet sie dann? Oder fährt man die Schnecken ins nächste Dorf, um sie dort am Waldrand wieder auszusetzen? Dann war da die Möglichkeit der asiatischen Laufenten, die sich um die Schnecken "kümmern" sollten. Manchem war es zuviel, dass die Enten überhaupt in Europa heimisch werden, anderen taten einfach nur die Schnecken leid.

 

Das waren die Probleme und Diskussionen jener Tage.

 

All die Mühe hat sich aber bezahlt gemacht. Irgendwann lief der Laden und man hatte einen guten Ruf in der Region, hat sogar Preise und Qualitätssiegel eingeheimst. Das Beste aber: Der Betrieb hat einen Sonderstatus bei Aufsichtsämtern und Behörden erlangt. Man ist völlig frei und unabhängig in allem, was man tut, nur die Endprodukte werden einmal jährlich kontrolliert.

 

Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Menschen, die bei diesem tollen Projekt mitarbeiten wollten. Ganz unmerklich verlor man das ursprüngliche Ziel ein wenig aus den Augen. Das Nichteingreifen in die Natur war irgendwie nicht mehr so präsent. Viele der neuen Mitarbeiter kannten dieses oberste Ziel auch gar nicht, sie waren doch wegen der tollen Produkte gekommen. Auf jeder Packung war das tolle Logo. Und alles, wo dieses tolle Logo drauf war, musste doch gut sein.

 

Irgendwann gab es nur noch wenige, die wussten, wie man die Produkte herstellt. Immer wenn sie kritisierten, dass irgendwo etwas falsch lief (Laufenten waren schon lange keine Diskussion mehr, mittlerweile wurde Gift ausgelegt), haben sie einen in den Nacken gekriegt. Sie wurden als Nörgler und Ewig-Gestrige bezeichnet. Schließlich sogar rausgeschmissen.

 

Im Hofladen wurden die Produkte munter weiter verkauft, alles mit dem Logo drauf, lief wie geschnitten Brot. Um genügend Nachschub zu bekommen, musste kräftig gedüngt werden und immer öfter wurde auch mal zugekauft. Solange die Qualitätsprüfung nur das Endergebnis beurteilt, ist das aber ja auch gar kein Problem.

 

Das Schlimme an dieser Mogelpackung, die - geschmückt mit fremden Federn - als staatlich geprüfter Kassenschlager reißenden Absatz findet ist, dass alle die daran mitarbeiten, das alles anscheinend gar nicht wissen. So lange es gut schmeckt und alle satt werden, glauben sie, es richtig zu machen.

 

Da gönn ich mir doch lieber einen Schießbörger bei Mäck Doof, der ist irgendwie ehrlicher.

 

 

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