Nervige Elternprojekte ausbremsen - systemisch oder mit System?

Lustige Eltern-Nami-Projekte wie Einradfahren, Filzen und Kreativer Ausdruckstanz u.s.w., die sind gern gesehen. Schließlich muss ja irgendwer die Brut beaufsichtigen, wenn nachmittags kaum noch ein Pädagoge anwesend ist.

 

Elternprojekte dagegen, die auch in den Vormittagsstunden stattfinden sollen und vielleicht sogar auf das Mitwirken des Lehrkörpers setzen, scheinen dagegen irgendwie unbeliebt. Mag sein, dass dieser Zusammenhang überhaupt nicht besteht, und diese Projekte einfach nur deshalb nicht zustande kommen, weil das Team grundsätzlich unter einer Art Kontaktallergie leidet und Eltern lieber gar nicht in der Schule sieht. (Keine Sorge, Ihr dürft weiterhin renovieren und Kuchen backen und Unkraut jäten - aber bitte am Wochenende).

 

Wenn es objektiv gar keine Gründe gibt, mit denen man ein Projekt ablehnen kann, dann hungert man es anders aus. Bislang wurden immer Wege gefunden, unliebsames Engagement klein zu kriegen, da hätten einige Eltern einige Geschichten zu erzählen, von vielen kleinen und großen Projektideen, die nie verwirklicht wurden.

 

Die aktuell geplante und nun geplatzte Kunstwoche hatte das Zeug, ein echter Meilenstein in unserer Schulgeschichte zu werden. In jedem Fall aber ein sinnvolles und erlebnisreiches Projekt für alle Lerngruppen. (Das letzte ECHTE Kunstprojekt, das Maskentheater mit Pago Balke, ist drei Jahre her und hatte damals leider nur für eine Lerngruppe stattfinden können.)

 

So wird man nervige Elternprojekte los:

 

N.K. - richtigerweise K.K. - hat ein ziemlich ausgegorenes Konzept über eine ganze Woche gruppenübergreifende Kunstprojekte erarbeitet. Von der ersten Idee an, fanden es ALLE toll. Zumindest hat KEINER N.K. gegenüber etwas anderes erwähnt. Und sie hat mit ALLEN möglichen Gremien und Leitungspersonen gesprochen. Voller Vorfreude auf dieses tolle Ereignis hat der Vorstand dann auch N.K. auf der Schulversammlung gebeten, das Projekt der Schulgemeinschaft vorzustellen.

 

Der einzige Haken war für lange Zeit die Finanzierung. N.K. hatte ihre persönlichen Kontakte in der Künstlerszene genutzt, und einige Künstler überzeugen können, das Projekt für ein geringes Honorar zu begleiten. Auch für verschiedene Materialien wäre etwas Geld fällig. Man schickte sie vom Team zum Förderverein zum Vorstand und wieder zurück. Keiner hat sie unterstützt. (Warum können diese Honorare eigentlich nicht aus den dafür vorgesehenen Honorartöpfen der einzelnen Lerngruppen bezahlt werden? Statt für Honorarkräfte, werden die für alles mögliche genutzt, z.B. um eine Englandfahrt billiger aussehen zu lassen.)

 

Im letzten halben Jahr der intensiven Vorbereitung hat N.K. so einige Male ihre guten Kontakte und ihr eigenes Renommee auf's Spiel gesetzt, indem sie Künstler runter handelte, ihnen absagte, wieder zusagte, den Termin verschob ....

 

Ach ja, der Termin: Zunächst sollte die Woche vor den Ferien stattfinden. Das war wegen der Prüfungen und anderer Termine dann verschoben worden. In einer Teamsitzung, an der N.K. teilnahm, hat man ihr ausdrücklich gesagt, dass es gleich nach den Ferien sowieso besser sei. Dann können sich die neuen Gruppen in dem Projekt besser finden. Alle Pädagogen haben sich den neuen Termin wichtig in ihre Kalender eingetragen.

 

Nach den Ferien hat das Team dann an einem Montag beschlossen, dass man alles doch lieber verschieben möchte. Schließlich müssten sich die Gruppen erstmal neu finden und überhaupt ...

 

Der allgemein veröffentlichte Informationsstand lautete aber, dass das Projekt wegen der fehlenden Finanzierung wahrscheinlich nicht stattfinden kann.

 

Am Montag drauf hatte N.K. endlich die Finanzierungszusagen und hat am nächsten Tag (also 9 Tage nach dem Teambeschluss) dies dem, vom Team beauftragten, Kunstprojektkommunikationsverantwortlichen J.W. freudig mitgeteilt. Irgendwie hatte der es dann aber im Laufe des Gespräches versäumt, N.K. gegenüber ein kleines, wichtiges Detail - nämlich dass das Projekt eigentlich gar nicht mehr stattfinden soll - zu erwähnen. (Menno, ey! Man kann doch nicht an alles denken.) Einzig, dass die Teilnahme für die Kinder freiwillig sein müsse, das wäre noch wichtig. (Für N.K. war das OK, schließlich waren ihr in diesem ganzen HickHack einige Künstler abgesprungen - wenn nun nicht alle Schüler teilnehmen ist das gar nicht schlimm.) Im Laufe dieses Gespräches stießen noch A.Q. und eine weitere Kollegin hinzu, die sich munter an der Plauderei über die weiteren Schritte für die Kunstwoche beteiligten.

 

Den Nachmittag verbrachte N.K. mit Telefongesprächen, in denen sie den engagierten Künstlern endlich das endgültige OK geben konnte.

 

Erst am Tag drauf wurde N.K. dann vom Team mitgeteilt, dass das jetzt doch alles nicht geht. Schließlich wäre der Termin denkbar ungünstig (s.o. Gruppenfindung etc.). Außerdem - und das ist jetzt wirklich wichtig - habe man bei allem mal wieder nicht die Kinder gefragt. So ein großes Projekt müsse von den Kindern kommen, das könne man denen nicht einfach so aufdrücken.

 

Einen weiteren Nachmittag mit Telefongesprächen hat dann allerdings A.Q. verbringen dürfen, den Künstlern (mal wieder) absagen hat N.K. ihm überlassen. 

 

(Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, ob N.K. überhaupt einen Projektidee-Zettel ausgefüllt hat. Das wäre natürlich eine Erklärung für ihr Scheitern! Außerdem ist sie noch so neu an der Schule, dass ihre jetzt erlebten Gefühle von Wut und Enttäuschung eher an ihrer Unerfahrenheit und ihrer falschen Erwartungshaltung liegen, als an strukturellen Problemen. Gott sei Dank ist sie noch so neu, dass sie zum Neue Eltern Elternabend kommen darf. Da können neben Sorgen und Ängsten auch unerfüllte Wünsche sowie verwirrende Ereignisse besprochen werden.)

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Black Beauty (Sonntag, 28 August 2011 09:21)

    Wäre es nicht Aufgabe der Pädagogen gewesen, die Kinder schon lange vor den Ferien auf das Projelt einzustimmen und mit ins Boot zu holen?